Ronny Epple

Baumkletterer aus Leidenschaft – Ronny Epple kombiniert Beruf und Hobby

In Australien zur Populationszählung Koalas vom Baum jagen, mit dem Helikopter Bäume abtragen oder an Weltmeisterschaften im Baumklettern teilnehmen – das alles hätte sich Ronny Epple nie träumen lassen, als er vor 20 Jahren seine Ausbildung zum Forstwirt begann. Doch als Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung hat er das alles schon erlebt. Aufgewachsen im ländlichen Raum in Baden-Württemberg, war er schon immer viel draußen unterwegs und wollte in seinem Beruf „irgendwas mit Grün“ machen. Bei einem Zusatzlehrgang für Zapfenpflücker entdeckte Epple seine Begeisterung für das Baumsteigen – Zapfenpflücker ernten auf Bestellung Saatgut aus den Bäumen. Heute betreibt Ronny Epple eine eigene Firma südöstlich von Reutlingen und kümmert sich mit seinem Team um das Wohl der grünen Riesen.

 

„Als Forstwirt war ich früher viel im Wald unterwegs, da habe ich an manchen Tagen bis zu sieben Zeckenstiche gehabt. Glücklicherweise wurde mir gleich zu Beginn meiner Ausbildung nahegelegt, mich gegen FSME impfen zu lassen. Die Impfung lasse ich seither regelmäßig auffrischen“, erzählt Ronny Epple.

 

Heute bewegt er sich vor allem im städtischen Grün. „Viele Leute haben eine sehr romantische Vorstellung von diesem Job, aber nicht alle Bäume stehen immer an den schönsten Orten der Stadt“, sagt Epple. Hoch hinaus kommt er beim Klettern auf jeden Fall: Zwischen 20 und 35 Meter sind gang und gäbe, circa 90 Meter ist der höchste Baum gewesen, den er bisher erklommen hat. Von oben kann man dann auch so manch schöne Aussicht genießen. Auch in seiner Freizeit klettert Ronny Epple auf Bäume. Er nimmt regelmäßig an Baumkletter-Wettkämpfen teil. Dazu kam es eher aus Zufall: „Meine erste Deutsche Meisterschaft war damals nur 20 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, da habe ich mich einfach mal angemeldet“, erinnert er sich. Und auch das hätte er sich damals nie träumen lassen: Vor einigen Wochen hat er an der Weltmeisterschaft in San Antonio, Texas, teilgenommen und hat den Titel in der Disziplin Werfen errungen.

 

Manchmal hilft nur noch der Helikopter

Professionelle Baumpfleger sind grundsätzlich immer gesichert und arbeiten nie ohne Seil und Gurt: „Der große Unterschied ist nur der, dass unsere Gurte und Seile nicht auf Absturzsicherung, sondern auf ständiges Hängen ausgerichtet sind. Außerdem tragen wir natürlich einen Helm. Steigeisen, die die Rinde verletzen, benutzen wir nur dann, wenn der Baum gefällt werden muss“, erklärt Ronny Epple. Er ist seit mittlerweile 18 Jahren professioneller Baumkletterer. Das bedeutet aber nicht, dass er keinen Respekt vor der Höhe hat: „Am Anfang war ich schon ein Feigling. Dann dachte ich, stell dich nicht so an, es geht schon irgendwie.“ Acht Stunden täglich, normale Arbeitszeiten eben, verbringt Ronny Epple draußen. Ganzjährig. Nur manchmal brechen er und sein Team die Arbeit witterungsbedingt ab. Am liebsten arbeitet er an trockenen Wintertagen und im Frühjahr – ab 28 Grad wird es in der langen Schutzkleidung einfach zu heiß. Gearbeitet wird aber dennoch. Manchmal bringt das Gelände Ronny Epple und sein Team an Grenzen. Dann wird der Baum vorbereitet, mit Seilen gesichert und stückweise per Helikopter abtransportiert.

Eine besondere Herausforderung stellen für Ronny Epple Baumkletter-Wettkämpfe dar. Bei derartigen Turnieren müssen die Teilnehmer allein in der Vorrunde fünf Stationen absolvieren: Werfen, 15 Meter am frei hängenden Seil aufsteigen, auf Geschwindigkeit zu einem vorgegebenen Zielpunkt klettern, einen Verletzten aus dem Baum retten und auf Zeit fünf Stationen im Außenbereich eines Baumes abklettern. Ronny Epples Paradedisziplin ist das Werfen: Geworfen wird ein kleines, mit Blei gefülltes Beutelchen, das dazu dient, das erste Kletterseil in den Baum zu befördern. Mit einer bestimmten Wurftechnik sind 30 bis 35 Meter Höhe dabei kein Problem. Die fünf besten Baumkletterer dürfen sich dann in der Endrunde noch einmal untereinander messen. „Nur so zum Vergleich: Der aktuelle Weltrekord für das Erklettern eines frei hängenden Seils von 15 Meter Länge liegt bei etwas über 13 Sekunden“, sagt Epple.

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