Paul Schall

Die Freiheit am Fels erklettern

Wenn Paul Schall gerade nicht studiert, dann findet man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Felswand. Unter der Woche in der Kletterhalle, am Wochenende in der freien Natur. Paul Schall ist leidenschaftlicher Kletterer. Seit seinem fünften Lebensjahr hat er die europäischen Klettergebiete erkundet und ist Trainer des Felskaders Baden-Württemberg. Dabei ist der 21-Jährige kein Risikogänger, denn er weiß, was ein Sturz bedeuten kann. Deshalb legt Paul Schall Wert auf Sicherheit. Sowohl in Sachen Ausrüstung als auch in puncto Zeckenvorsorge. Denn Zecken können nicht nur gut klettern, sondern beim Stechen auch gefährliche Krankheitserreger übertragen.

Sie klettern seit Ihrem fünften Lebensjahr. Was lieben Sie daran?
Meine Eltern sind leidenschaftliche Kletterer und ich bin da ganz selbstverständlich reingewachsen. Mich fasziniert die Ganzheitlichkeit dieses Sports. Nur physische Stärke allein reicht nicht aus, um den Fels zu bezwingen. Es kommt auch auf die mentale Stärke an. Nur mit Kraft und Kopf erreicht man sein Ziel. Und ich liebe es einfach, in der Natur zu sein. Die Welt sieht zwar von oben nicht anders aus als von unten, aber die Aussichten sind immer wieder umwerfend. Zuletzt war ich in Island unterwegs und konnte vom Felsen aus die Eisschollen im Meer treiben sehen. Das war wirklich etwas Besonderes.

Wozu ist ein Felskader da?
Für den Felskader muss man sich jedes Jahr neu bewerben. Ich bin damals mit 15 erstmals angenommen worden und seither dabei. In diesem und im nächsten Jahr darf ich mich als Trainer im Felskader Baden-Württemberg beweisen. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Der Felskader bietet die Möglichkeit, sich auf einem anderen Level mit dem Klettern zu beschäftigen. Der Fokus liegt darauf, möglichst anspruchsvolle Routen am Fels zu klettern. Die Schwierigkeitsgrade von Kletterrouten gehen von fünf – für Einsteiger – bis zwölf. Meine schwerste Tour bisher war eine 10+. Im Vergleich zum Felskader geht es bei klassischen Kletterwettkämpfen darum, zu einem bestimmten Zeitpunkt die maximale Leistung abzurufen und dem damit verbundenen Druck standzuhalten. Und natürlich zu gewinnen.

Das klingt nach einer großen Leidenschaft. Wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Klettern?
Naja, in der Woche bin ich meist zwischen 10 und 15 Stunden in der Kletterhalle. Aber nur, weil das näher ist, als mit dem Auto eine Stunde bis ins nächste Klettergebiet zu fahren. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann bin ich am liebsten draußen. Natürlich ist das schöner, wenn es warm ist. Bei Kälte werden die Finger schnell eiskalt und dann kann man sich am Fels nicht mehr halten. Deshalb bin ich gern in Spanien, wenn es in Deutschland zu kalt zum Draußenklettern ist. Ich erinnere mich an die Zeit nach dem Abitur, als ich für eineinhalb Jahre auf Kletterreise in Europa und Südafrika gegangen bin. Gleichzeitig habe ich dabei auch schmerzlich gelernt, wie wichtig Sicherheit in meinem Sport ist.

Sicherheit ist mehr als nur das Sicherungsseil?
Definitiv! Klettern gilt zwar nicht als Risikosportart, dennoch hat es schon schwere Kletterunfälle gegeben, weil sich Kletterer gegenseitig nicht gut gesichert haben. Ich selbst habe mir vor zwei Jahren einen komplizierten Bruch im Fuß zugezogen und musste ein halbes Jahr aussetzen. Deshalb ist Sicherheit für mich mehr als nur eine Frage der Ausrüstung. Neben der richtigen Absicherung ist es auch eine Frage der Gesundheitsvorsorge. Ich suche mich beispielsweise nach jedem Tag in der Natur gründlich nach Zecken ab, verwende Repellents und bin gegen FSME geimpft. Ich lebe in einem FSME-Risikogebiet und bin viel draußen unterwegs. Da ist die Impfung für mich selbstverständlich. In diesem Frühjahr stand wieder eine Auffrischung an, so konnte ich, zumindest was FSME-Viren angeht, unbesorgt in die Klettersaison im Freien starten.

Mit Kraft und Kopf zum Ziel

Klettern ist in Deutschland längst kein Geheimtipp mehr. In jeder größeren Stadt gibt es Kletterhallen und Kurse, um sich in der Disziplin am Fels auszuprobieren. Und auch die Klettergebiete sind gut erschlossen und in Kletterführern nach Fels, Route, Schwierigkeitsgrad und Name der Route gelistet. Der niedrigste Schwierigkeitsgrad einer Route ist fünf, dann geht es in Abstufungen hoch bis zwölf. In Deutschland gehören das Frankenjura in der Nähe von Nürnberg, aber auch das Elbsandsteingebirge in Sachsen zu den größten und bekanntesten Klettergebieten.

Neben dem Klettern erfreut sich auch das Bouldern immer größerer Beliebtheit. Während beim Klettern der Kletternde mit einem Seil von seinem Kletterpartner gesichert wird, erklimmen Boulderer Felsen in Absprunghöhe. Das heißt, sie klettern ungesichert, aber nicht höher als bis vier Meter. Rutschen sie ab, fängt sie ein Crashpad – eine Art Matratze – auf und federt den Sturz ab.

Klettern und Bouldern kann man in Deutschland das ganze Jahr über in der Halle, aber auch – je nach Region – von Frühjahr bis Herbst in der Natur. Dort hält sich auch Paul Schall, Trainer des Felskaders Baden-Württemberg, am liebsten auf. „Am Fels ist die Freiheit einfach größer“, schwärmt er. Kletteranfängern empfiehlt er einen Kurs in der nächstgelegenen Kletterhalle: „Man sollte keine Höhenangst haben, alles andere – Technik, mentale Stärke und physische Kraft – ist erlernbar.“

Klettern gehört offiziell nicht zu den Risikosportarten. Wer die Grundregeln der Sicherung am Seil verstanden hat, anwenden kann und beim Klettern konzentriert bleibt, dem kann nicht viel passieren. Es gibt auch Kletterwettkämpfe auf Länder-, nationaler, europäischer sowie internationaler Ebene.

 

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