Zeckengefahr beim Pilzesammeln im Wald

Zwischen Rehen, Wildschweinen und Pilzen: Wolfgang Bachmeier lebt für die Natur

Raus aus dem stickigen Schulgebäude und rein in die Natur – bereits als Kind fühlte sich Wolfgang Bachmeier in Wäldern und Wiesen besonders wohl. Seine Eltern nahmen ihn oft mit auf Spaziergänge oder zum Pilzesammeln in den Wald, bis sein Vater eines Tages eine außergewöhnliche Entdeckung machte: eine besonders große und leuchtende Rotkappe, ein beliebter Speisepilz. Für den 6-jährigen Wolfgang Bachmeier ein erstaunlicher Fund. Schon damals war er sich sicher, dass man den Pilz essen konnte, seine Eltern warfen ihn jedoch wegen der leuchtend roten und unnatürlich wirkenden Farbe wieder weg. Für Bachmeier sollte dies der Anfang einer großen Leidenschaft sein.

Seitdem hat er einige hundert Bücher über die ca. 6.000 verschiedenen heimischen Pilzarten durchgewälzt, selbst Bücher zum Thema geschrieben, eine Homepage namens www.123pilze.de aufgesetzt und eine Pilz-App zur Pilzbestimmung herausgegeben. Als Pilzsachverständiger rettete Bachmeier bereits einigen Menschen durch seine Bereitschaft in der Giftnotrufzentrale das Leben. Außerdem leitet er mehrtägige Pilzseminare im Bayerischen Wald und in Tschechien und ist in mehreren Pilzvereinen aktiv. „Die Artenvielfalt der Pilze ist so wunderbar“, schwärmt Bachmeier. „Außerdem können sie zu jeder Jahreszeit gefunden werden. Durch das Abschneiden beim Sammeln zerstört man das Pilzgeflecht auch nicht, sondern sorgt bei der Verwendung von offenen Körben für neues Leben, da die winzigen Pilzsporen zu Millionen in andere Gegenden getragen werden und dort neue Fruchtkörper bilden können.“

Bei Wind und Wetter geht er mit Freunden in die Natur, in kalten und schneereichen Zeiten reist er in mediterrane Länder und sucht dort nach Pilzen. Dabei machte er schon einige besondere Bekanntschaften: „Ich könnte von so vielen tollen Erlebnissen berichten, von einem Fund eines 2.310 Gramm schweren Steinpilzes bis hin zu Rehen, die ich aus Zäunen befreite, oder Wildschweinen, die mir direkt in die Augen sahen.“ Der Forscherdrang des 6-jährigen Jungen, der die Rotkappe in der Hand seines Vaters begutachtete, ist bis heute spürbar, genauso wie die frühe Freude an der Natur. „Am liebsten hätte ich ein kleines Häuschen im Wald“, so Bachmeier. „Vom Angeln, Jagen und Pilze- und Beerensammeln zu leben wäre schon toll. Doch leider habe ich das passende Hänsel-und-Gretel-Haus mit Hochgeschwindigkeits-Internet noch nicht gefunden.“ So lebt er in der Nähe von Passau in einem Haus mit Garten, nahe gelegen am nächsten Pilz-Wald, und arbeitet bereits an seinem nächsten Buch über Pilzarten.

Wenn die Pilze zur Leidenschaft werden

Wann immer es ihn in die Natur zieht, achtet Bachmeier auf die Pilze, die ihn umgeben. Dabei hat er nicht viel im Gepäck: einen Sammelkorb für unterwegs entdeckte Speisepilze und ein Messer mit integrierter Pilzbürste. Pilze, die er gefunden hat, verzehrt er nie sofort, sondern erst nach sorgfältiger Überprüfung, schließlich kann eine Pilzvergiftung schlimme Folgen haben. Wenn Bachmeier zum Pilzesammeln im Wald unterwegs ist, achtet er darauf, seinen Müll stets wieder mitzunehmen und sich vorsichtig zu bewegen, um nicht über Wurzeln zu fallen oder mit Schlangen oder Wespennestern in Berührung zu kommen. Auch Zecken können Pilzesammlern gefährlich werden. „Mittlerweile hatte ich bestimmt über 500 Zeckenstiche. In einem Jahr zählte ich eine Rekordzahl von 63 Zecken-Biestern“, beschwert sich Bachmeier.

Seinen Seminarteilnehmern rät er deshalb auch stets zur Vorsicht: Zeckenschutzmittel, Gummistiefel, lange Kleidung und das Absuchen nach der Pilzsuche im Wald sind für ihn das A und O. Er selbst ist auch gegen das FSME-(Frühsommer-Meningoenzephalitis-)Virus geimpft, welches eine Entzündung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems auslösen kann. „Kein Risiko ist meine Devise. Borreliose kann man zwar heute noch nicht verhindern, aber FSME muss nicht sein. Ich bin mir sicher, wenn ich meinen Impfschutz nicht schon seit Jahrzehnten auffrischen lassen würde, hätte ich schon längst eine FSME-Infektion bekommen.“ Auch seine Seminarteilnehmer erwischte es hin und wieder. Mindestens fünf davon berichteten ihm bereits von einer FSME-Infektion. Weitaus größer ist da noch die Anzahl der Seminarteilnehmer mit Borreliose-Infektionen. Diese konnten mit einem Antibiotikum behandelt werden.

 

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