Leben auf dem Bauernhof – doch Vorsicht, denn inmitten der Natur lauern auch Zecken!

Egon Lorenz ist gelernter Hufschmied und lebt auf einem Bauernhof in Bayern. Für seinen Job fährt er weite Strecken durch seine oberpfälzische Heimat und ist viel an der frischen Luft. Aber auch nach Feierabend und am Wochenende ist er für Feld- und Waldarbeiten oft stundenlang draußen unterwegs. Im Sommer 2016 wird er dabei von einer Zecke gestochen, die das FSME-Virus überträgt. Der damals 56-Jährige erkrankte schwer und fällt fast ein Jahr beruflich aus. Nur langsam erholt er sich von den Folgen. Daher ist es ihm heute wichtig, andere über die möglichen Gefahren eines Zeckenstiches zu informieren. Wir haben mit Herrn Lorenz über seine Geschichte und Tipps zur Zeckenvorsorge gesprochen.

Sie sind 2016 von einer Zecke gestochen worden, was genau ist passiert?

Ich war damals bei Waldarbeiten unterwegs. Es war Sommer und relativ warm, darum trug ich eine kurze Hose. Plötzlich bemerkte ich an meinem Schienbein eine Zecke, die dort aber höchstens eine halbe Stunde gesaugt haben konnte. Ich entfernte sie zügig, machte mir aber weiter keine Gedanken. Wir leben hier mit und in der Natur, da sind Zecken nichts Ungewöhnliches.

„Plötzlich bemerkte ich an meinem Schienbein eine Zecke, die dort aber höchstens eine halbe Stunde gesaugt haben konnte. Ich entfernte sie zügig, machte mir aber weiter keine Gedanken. Wir leben hier mit und in der Natur, da sind Zecken nichts Ungewöhnliches.“

Schmied passt Pferd neues Hufeisen an
Hufschmied Egon Lorenz liebt seine Arbeit.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Stich Folgen für Sie hatte?

Ungefähr drei Wochen später saß ich an einem Freitagabend während der Feldarbeit auf meinem Trecker und fühlte mich plötzlich unglaublich müde. Ich wollte nur kurz die Augen schließen, schlief jedoch ein und wachte erst wieder vom Hupen des Mähdrescherfahrers auf. Da muss ich ungefähr eine halbe Stunde richtig tief geschlafen haben. So was war mir bis dahin noch nie passiert. Ich wollte eigentlich weiterarbeiten, merkte aber, dass ich mich überhaupt nicht gut fühlte. Ich fuhr also nach Hause, um mich auszuruhen. Da habe ich noch gedacht, nach ein wenig Schlaf würde ich mich am nächsten Morgen besser fühlen. Mein Zustand verschlechterte sich an diesem Wochenende jedoch so sehr, dass ich gleich Montag früh zu meinem Hausarzt ging. Ich hatte hohes Fieber, Kreislaufprobleme und konnte nichts essen.

Erkannte Ihr Arzt den Ernst der Lage?

Aufgrund meiner Symptome tippte der Arzt auf eine Sommergrippe und verschrieb mir entsprechende Medikamente. Die schlugen allerdings nicht an, stattdessen verschlechterte sich mein Zustand noch weiter. Zwei Tage später ging ich wieder zum Arzt, der mich dann auch direkt nach einem möglichen Zeckenstich fragte. Als ich ihm von der Zecke an meinem Schienbein erzählte, war für ihn klar, dass ich schnellstmöglich ins Krankenhaus musste, um mich auf FSME testen zu lassen.

Was passierte dann?

Ich wurde sofort stationär aufgenommen. Die Ärzte entnahmen mir durch eine Rückenmarkpunktion Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, um eine mögliche Entzündung des zentralen Nervensystems feststellen zu können. Die Ergebnisse kamen nach einigen Tagen und bestätigten leider den Verdacht meines Hausarztes: Ich hatte FSME.

„Ich war schockiert, denn bis dahin war ich nie ernsthaft krank gewesen. Alle machten sich große Sorgen, denn gegen FSME gibt es keine Medikamente, und kein Arzt konnte mir sagen, ob und wann es mir besser gehen würde.“

Wie haben Sie sich gefühlt, als die Diagnose FSME feststand?

Hufschmied bereitet Haflinger-Pferd für Beschlag vor.
Egon Lorenz ist froh, nach seiner FSME-Erkrankung wieder arbeiten zu können.

Ich war schockiert, denn bis dahin war ich nie ernsthaft krank gewesen. Auch für meine Familie war die Diagnose ein Schock. Alle machten sich große Sorgen, denn gegen FSME gibt es keine Medikamente, und kein Arzt konnte mir sagen, ob und wann es mir besser gehen würde. Da wurde mir plötzlich bewusst, dass das Leben ganz schnell vorbei sein kann, und natürlich machte mir dieser Gedanke Angst.

Wie ging es dann weiter?

Ich hatte Glück, nach einigen Tagen stabilisierte sich mein Zustand weitestgehend. Allerdings kamen plötzlich Koordinationsstörungen dazu, und auch meine Feinmotorik funktionierte nicht mehr richtig. Dagegen konnten die Ärzte jedoch nichts ausrichten. Sie sagten, mein Körper müsse sich jetzt selbst heilen und entließen mich nach Hause. Dort sollte ich mich weiter erholen und die nächsten Wochen und Monate so gut es ging körperlich schonen.

Was hat die Diagnose für Sie bedeutet, und leiden Sie unter Spätfolgen?

Zu merken, dass der eigene Körper nicht mehr das macht, was man möchte, war furchtbar. Anfangs konnte ich keine acht Meter geradeaus gehen, war nicht in der Lage, mit einer Hand ein Gummiband über zwei Holzdübel zu spannen. Bis zu meiner FSME-Erkrankung hatte ich meine Pferde praktisch blind beschlagen, Hufnägel in einer Hand sortieren und zurechtlegen können – doch dieses Feingespür war plötzlich weg. Wenn man, so wie ich, sein Leben lang handwerklich gearbeitet hat, dann setzt eine solch plötzliche Einschränkung auch der Psyche zu.

„Anfangs konnte ich keine acht Meter geradeaus gehen, war nicht in der Lage, mit einer Hand ein Gummiband über zwei Holzdübel zu spannen. Wenn man, so wie ich, sein Leben lang handwerklich gearbeitet hat, dann setzt eine solch plötzliche Einschränkung auch der Psyche zu.“

Sie sind Hufschmied und viel draußen unterwegs – haben Sie damals erwägt, den Beruf aufzugeben?

Tatsächlich dauerte es fast ein ganzes Jahr, bis ich mich wieder halbwegs gesund fühlte. Insbesondere meine körperliche Leistungsfähigkeit war noch sehr lange stark eingeschränkt. Aber ich liebe meinen Beruf, in den ich vor über 40 Jahren praktisch reingerutscht bin. Damals kam ich gerade aus der Wehrdienstzeit zurück, und mein Schwiegervater, der Hufschmied war, brauchte einen Lehrling in seinem Betrieb. Ich habe meine Entscheidung nie bereut, weil die Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Auch für einen alten Hasen wie mich gibt es immer wieder etwas Neues zu lernen, denn die Technik entwickelt sich stetig weiter.

Hat sich nach der Erkrankung Ihr Verhältnis zum Draußensein, zu Natur und Zecken verändert?

Nein. Die Weite und das Idyll hier bei uns in der Oberpfalz gibt mir noch immer ein Gefühl von Freiheit. Zu sehen, was die Natur zu leisten vermag, wie zum Beispiel aus einem Keimling eine ausgewachsene Pflanze wird, das ist für mich jedes Mal aufs Neue einzigartig. Meine Familie und ich leben hier sehr intensiv mit der Natur und sind gleichzeitig auf sie angewiesen. Wir sind hier einfach dichter dran, bekommen auch die Auswirkungen des Klimawandels hautnah mit. Das macht einen demütig und regt zumindest mich immer wieder dazu an, aktiv Naturschutz zu betreiben. Und was die Zecken betrifft, bin ich jetzt einfach viel vorsichtiger und treffe Vorsorgemaßnahmen.

„Ich bin vorsichtig geworden. Wir sind alle gern und viel in der Natur unterwegs, darum schützen wir uns vor Zecken. Meine Familie ist geimpft, und auch bei unseren Tieren achten wir auf Vorsorgemaßnahmen.“

Mann kniet im Wald und schaut jungen Baum an.
Egon Lorenz verbringt viel Zeit in der Natur

Welche Vorsorgemaßnahmen sind das?

Wenn ich draußen unterwegs bin, suche ich mich schon zwischendurch immer wieder nach Zecken ab und trage nach Möglichkeit auch lange Kleidung. Außerdem sind jetzt alle in meiner Familie gegen FSME geimpft. Ich habe in meinem Umkreis sogar eine ganze Impfwelle ausgelöst – viele meiner Kunden waren von meiner Erkrankung so erschrocken, dass sie sofort selbst zum Arzt gingen, um sich impfen zu lassen. Wenn der Hufschmied, der einem seit Jahrzehnten die Pferde beschlägt und nie krank war, plötzlich monatelang mit einer schlimmen Krankheit ausfällt, dann ist die Gefahr, die von der FSME ausgeht, wohl viel näher, greifbarer.

Welche Tipps haben Sie für Leute, die sich mit Zecken, Zeckenvorsorge und FSME zum ersten Mal beschäftigen wollen?

Nehmen Sie die Warnungen ernst, denn Zecken können winzig klein sein und werden schnell übersehen. Treffen Sie Vorsorgemaßnahmen, wie das Tragen langer Kleidung, das Benutzen von Repellents, und denken Sie daran, sich nach jedem Aufenthalt draußen nach Zecken abzusuchen. Informieren Sie sich auch über FSME-Risikogebiete – hier bei uns in Bayern gehören leider fast alle Landkreise dazu – und lassen Sie sich wegen einer Impfung bei Ihrem Hausarzt beraten. Und zu guter Letzt: Vergessen Sie Ihre Haustiere nicht! Unsere Pferde sprühen wir zum Beispiel mit Repellents ein, der Hund bekommt regelmäßig ein Anti-Zecken-Mittel in den Nacken geträufelt. Ohne diese Mittel wäre ich den ganzen Tag nur damit beschäftigt, Zecken aus ihrem Fell zu entfernen.

Zeckenvorsorge Informationsportal - zecken.de