Den Bootsführerschein machen: Wir navigieren euch durch den Sportboot-Dschungel

Ihr wollt einen Bootsführerschein machen, versteht bei den vielen Infos aber gar nicht, welchen ihr braucht und wie und wo ihr die Führerscheinprüfung jeweils absolviert? Hier kommt der ultimative Ratgeber zum Bootsführerschein!

Welchen Sportbootführerschein brauche ich?

Ihr geht gern segeln oder liebt es, Wakeboarding hinter einem Motorboot zu betreiben? Dann kann es sich für euch anbieten, einen Sportbootführerschein zu machen. Ihr habt euch schon einmal darüber informiert, steigt durch das Dickicht an Infos aber nicht durch? Rettung naht: Hier kommen die wichtigsten Fakten rund um SBF, SKS und SSS:

Sportbootführerschein binnen (SBF Binnen)

Wenn ihr euch eher auf ruhigen Gewässern sportlich herumtreibt, reicht euch der Sportbootführerschein Binnen (SBF Binnen) völlig aus. Ihr könnt damit Sportboote fahren und auch mieten – auf dem Rhein dürft ihr Fahrzeuge bis 15 Meter Länge lenken, sonst bis 20 Meter. Was gilt als Binnengewässer? Alle Gewässer, die nicht Teil eines Meeres sind. Teiche, Seen und Flüsse fallen darunter. Achtung: Binnenmeere wie etwa das Schwarze Meer sind KEIN Binnengewässer. Solltet ihr also im Türkeiurlaub ein Boot chartern wollen, benötigt ihr den SBF See. Ihr könnt den SBF Binnen für motorbetriebene Boote, Segelboote oder eine Kombi ablegen.

Sportbootführerschein See (SBF See)

Den Sportbootführerschein See solltet ihr machen, wenn ihr mit euren Sportbooten mit als 15 PS Power in Nichtbinnengewässern fahrt, sprich: auf dem Meer. Der SBF See gilt allerdings nur innerhalb der Zwölfmeilenzone. Für eine Weltumseglung müsst ihr also noch einen weiteren Bootsführerschein machen!

Sportbootfahren
Ein Sportboot ist ein Wasserfahrzeug mit Rumpf, der Begriff bezeichnet Motorboote, Segelboote und -Yachten.

Ein Führerschein für alle!

Laut der am 10. Mai 2017 in Kraft getretenen Sportbootführerscheinverordnung gibt es nur noch einen Sportbootführerschein, auf dem allerdings die Merkmale „Binnen“ oder „See“ vermerkt sind, ähnlich wie die Führerscheinklassen auf einem Kfz-Führerschein.

Sportküstenschifferschein (SKS)

Den SKS solltet ihr haben, wenn ihr Segelboote oder -yachten mieten (und versichern) wollt. Wer ein Sportboot gewerblich nutzen will, es zum Beispiel vermietet, sollte den SKS zwingend machen. Achtung! Den SBF See benötigt ihr trotzdem, nämlich um das gemietete Segelboot zu fahren.

Sportseeschifferschein (SSS)

Ihr interessiert euch dafür, Museumsschiffe zu führen? Dann benötigt ihr den Sportseeschifferschein. Ansonsten kann er das Gleiche wie der Sportküstenschifferschein.

Was gilt als Sportboot?

Ein Sportboot ist ein Wasserfahrzeug mit Rumpf, der Begriff bezeichnet Motorboote, Segelboote und -yachten. Ein Floß ist übrigens kein Sportboot! Kanus, Kajaks, Ruderboote und Surfbretter fallen ebenfalls nicht unter die Definition.

Sporthochseeschifferschein (SHS)

Sobald ihr mit eurem Sportboot die küstennahen Gewässer verlasst, solltet ihr besser einen Sporthochseeschifferschein (SHS) in der Tasche haben. Die Weltumrundung mit einem motorisierten Segelschiff kann damit also kommen!

Bodenseeschifferpatent

Um ein Sportboot auf dem Bodensee zu lenken, benötigt ihr das Bodenseeschifferpatent. Hier könnt ihr euch einige Umwege sparen, wenn ihr euren SBF Binnen oder den SKS vorlegt, diese werden zum großen Teil angerechnet.

Wo kann ich den Sportbootführerschein machen?

Den Bootsführerschein könnt ihr im Prinzip überall dort machen, wo Sportboote gefahren werden – etwa in Motor- und Segelbootvereinen oder auch bei größeren Sportbootverleihern. Die Theorie könnt ihr kostengünstig über Onlinekurse lernen. Hier gibt es verschiedene Anbieter, die sich meist auf eine Richtung der Bootsführerscheine spezialisiert haben.

Voraussetzungen, um den Bootsführerschein zu machen

So bekommt ihr den SBF Binnen

Um die welt segeln
Einmal um die Welt segeln – hierfür ist nicht nur Ausdauer, sondern auch der richtige Führerschein gefragt.

Für den Sportbootführerschein Binnen müsst ihr mindestens 14 Jahre alt sein (bis 18 Jahre nur mit Erlaubnis der Eltern), ein sauberes Führungszeugnis haben und eine Bestätigung vom Arzt vorlegen, dass ihr körperlich fit seid. Ihr solltet einen (Online-)Kurs besucht haben, denn die Prüfung für den SBF Binnen hat es in sich: Im Theorieteil beantwortet ihr 25 (nur Segel) oder 30 Fragen (nur Motor) – plus sieben Fragen für den Kombi-Schein. Seit 2012 bekommt ihr ein Multiple-Choice-Blatt, früher musste man jede Antwort auswendig wissen! In der praktischen Prüfung zeigt ihr An- und Ablege- sowie Wendemanöver, fahrt bestimmte Kurse zum Wind (nur Segel und Kombi) und zeigt, dass ihr Seemannsknoten beherrscht.

So kommt ihr an den SBF See

Für den Sportbootführerschein See beträgt das Mindestalter 16 Jahre, die Voraussetzungen sind sonst dieselben wie beim Binnen-Schein. Im Theorieteil der Prüfung müsst ihr euch durch 30 Fragen sowie eine Navigationsaufgabe kämpfen. Segelfragen werden gar nicht geprüft, da man laut Seerecht nicht-motorisierte Boote auf offenen Gewässern ohne Führerschein fahren darf. In der praktischen Prüfung zeigt ihr ebenfalls Manöver und Knoten. Den SBF Binnen könnt ihr euch hier übrigens anrechnen lassen, es fallen dann allgemeine Fragen in der Theorie weg.

Das braucht ihr für einen SKS

Wer 16 Jahre alt und körperlich fit ist, der darf zur Prüfung antreten. Den Sportbootführerschein See sowie 500 gefahrene Seemeilen müsst ihr auch noch in der Tasche haben. Wenn ihr den SKS machen wollt, stehen wieder Theorie und Manöver an. Verpflichtend hier: Mann über Bord!

So kommt ihr an SSS und SHS

Voraussetzung für SSS und SHS: Ihr müsst volljährig sein. Für den SSS benötigt ihr den Sportbootführerschein See und zusätzlich 1.000 Seemeilen Fahrpraxis als Wachführer oder nur 700 Seemeilen, wenn ihr Inhaber des SKS seid. Für den Erwerb eines Sporthochseeschifferscheins benötigt ihr einen Sportseeschifferschein. Außerdem müsst ihr beim SHS 1.000 Seemeilen Fahrpraxis als Skipper oder Co-Skipper vorweisen können. In der Prüfung werden Schifffahrtsrecht, Navigation und Wetterkunde sowie „Seemannschaft“, also Kenntnisse rund um Schiffe und ihre Ausrüstung, abgefragt.

ZeckenvorsorgeVoraussetzungen, um auf dem Bodensee zu schippern

Das Bodenseeschifferpatent für Motorboote darf nur erwerben, wer schon volljährig ist. Segelboote darf man ab 14 Jahren führen. Die Prüfung verläuft ansonsten ähnlich wie die für den SBF Binnen.

 

Was kostet es, den Bootsführerschein zu machen?

Wie der Kfz-Führerschein auch wird euch der Bootsführerschein nicht geschenkt. Ein Überblick über die Kosten:

Das kostet ein Sportbootführerschein Binnen und See

Online-Theoriekurse gibt es schon ab 40 Euro, für die praktischen Kurse solltet ihr mit mindestens 100 bis 150 Euro rechnen. Die Anmeldung zur Prüfung für den SBF kostet 110 Euro – die zweite Prüfung ist mit rund 70 Euro dann etwas günstiger. Für die ärztliche Untersuchung müsst ihr mit etwa 25 Euro rechnen. Insgesamt kommt ihr also auf 250 bis 300 Euro, die euch der Bootsführerschein kostet. Für ein Bodenseeschifferpatent zahlt ihr ähnlich viel Geld.

Kosten von Sportküstenschifferschein (SKS), Sportseeschifferschein (SSS), Sporthochseeschifferschein (SHS)

Die Bootsführerscheine für Fortgeschrittene kosten etwas mehr als die SBF-Zertifikate. Rechnet bei einem SKS mit Kosten ab 500 Euro, bei einem SSS mit mehr als 700 Euro. Der Sporthochseeschifferschein kostet weitere 600 bis 700 Euro. Dazu kommen noch die Aufwände für die zu fahrenden Seemeilen.

Puuuh, das kommt euch alles sehr aufwändig vor? Verständlich! Hier noch ein Tipp zum Schluss: Führerscheinfrei fahrt ihr auf jedem Boot mit. Den Führerschein benötigt ihr nur, wenn ihr das Sportboot steuern wollt. Und: Alle Boote bis 15 PS dürft ihr ohne Bootsführerschein lenken. Außer auf dem Rhein und dem Bodensee – hier gelten 5 bzw. 6 PS als „magische Grenze“.

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